Mikrowürmchen - Panagrellus redivivus


Mikrowürmchen, die nahen Verwandten der Essigälchen, sind ein gutes Aufzuchtfutter für junge Fische. Sie werden aber auch gerne von ausgewachsenen Salmler, Guppys und Zwergbuntbarschen gefressen. Die Mikrowürmchen schwimmen nicht im Wasser und sinken relativ rasch zu Boden. Hat man keine Bodenbewohner, sollte man die Menge der verfütterten Mikros im Auge behalten, da diese nicht lange im Wasser überleben.

Bei den Mikrowürmchen gibt es verschiedene Ansätze. Die besten Erfahrungen habe ich mit dieser Vorgehensweise gemacht:


Mikrowürmchen: Ansetzen und Vermehren


 1. Was man braucht

- 1 Ansatz Mikrowürmchen
- 1 leeres, sauberes und verschließbares

Gefäß + Deckel mit Löchern
- gemahlene Haferflocken = Haferflockenmehl
- etwas Wasser
- etwas Hefe

2. Kultursubstrat vorbereiten


Man gibt ein paar Löffel Haferflockenmehl in das Gefäß. Ungefähr so viel, dass der Boden des Gefäßes ca. 0,5 cm damit bedeckt sind.



 

3. Kulturbrei anrühren

 

Nun wird unter Rühren Wasser hinzugefügt. Die Menge variert je nach Gefäßsgröße. Daher langsam rantasten.

4. Konsistenz

Bitte darauf achten, dass die Haferflocken noch quellen. Der Brei sollte eher dünnflüssig sein, als fest. So können sich die Mikrowürmchen besser bewegen, ertrinken sollen sie aber auch nicht. Hier gilt es sich mit Fingerspitzengefühl heranzutasten. Sollte sich nach einer Weile Wasser absetzen, dann war es zu viel Wasser, dann wieder ein bisschen Haferflockenmehl dazu und umrühren. Wird der Brei zu steif, wieder etwas Wasser dazu, ... bis es passt.

5. neue Kultur animpfen

Nun braucht man etwas von einer laufenden Kultur oder Ansatz (hier rechts dargestellt ) und sein vorbereitetes Kulturgefäß (links).

6. neue Kultur animpfen

 

Zum Animpfen entnimmt man ein wenig was von der alten Kultur.
Ungefähr einen halben Teelöffel, mehr muss es nicht sein und verrührt die Kultur im neuen Ansatz.

Möchte man besonders schnell eine ergiebige Kultur haben, so kann dem entsprechend mehr aus der alten Kultur entnehmen oder diese sogar teilen.

7. + 8. Zugabe von Hefe


Man kann optional etwas Hefe dazu geben. Meine Kulturen laufen mit definitiv stabiler und ergiebiger. Aber auch ohne Hefezusatz kann man gute Ansätze erstellen.

Auch muss es hier wieder keine Unmengen sein.

9. Verschließen der Kultur

Dieser Teil ist, im Gegensatz zu den anderen Kulturen, wichtig.

Da sonst die Entnahme nicht möglich ist.


In den Deckel bohrt man wenige(!) Luftlöcher. Warum? Der Ansatz ist leicht gärig (riecht nach Brotteig, zu mindestens wenn er noch gut ist) dadurch entsteht eine Sauerstoffknappheit. Durch diese Knappheit wandern die Mikros nach einiger Zeit an der Außenwand hoch, wo sie mit einem Pinsel o.ä. problemlos entnommen werden können.


Kriechen die Mikro nicht hoch, ist die Sauerstoff Zufuhr zu stark. Dann Löcher verschließen. Evtl. aber euch einfach noch etwas Geduld haben, bis die Kultur stärker läuft.


Kleben die Mikro bis an den Deckel, ist die Sauerstoff Zufuhr zu gering.Dann mehr Löcher in den Deckel.


Wie viele Löcher in den Deckel müssen, hängst stark vom benutzten Gefäß bzw. dem vorhandenen (Luft-)Volumen ab. Am Besten mit wenigen Löchern anfangen und sich rantasten.

10. Fertiger Ansatz

 

So geschaftt! Der Ansatz steht.

 

Nun an einen warmen, nicht zugigen Ort stellen und warten.


Mikrowürmchen: Verfüttern


11. Entnahme der Mikros

Nach kurzer Zeit wandern die ersten Mikros die Wand nach oben. Hier können sie gut entnommen werden. Es empfiehlt sich die Kultur erst einmal ein paar Tage stehen zu lassen, damit ein stabiler Stamm entstanden ist.


Die Kultur ist dann nicht mehr gut, wenn die Farbe ins dunkle/grüne abdriftet und der Geruch deutlich zu nimmt. Dann muss ein neuer Ansatz her und der alte Ansatz entsorgt werden. Es gibt zwar auch die Möglichkeit den Ansatz mit Haferflockenmehl zu verlängern, aber dadurch erhöht man die Standzeit nur minimal. Ich empfehle daher immer einen neuen Ansatz zu bilden.


Im Durchschnitt halten die Kulturen bei mir 4-6 Wochen. Allerdings ist das auch eine Frage der Temperatur und Entnahmehäufigkeit.


Ansätze die nicht so richtig wollen, kann man wieder mit etwas Hefe auf die Sprünge helfen.

Auf dem Foto erkennt man gut, wie die Mikros schon nach kurzer Zeit wandern.


Wie groß sind Mikrowürmchen?


Mikrowürmchen sind durchschnittlich 3,5 mm groß. Man erkennt sie noch gut mit dem bloße Auge (siehe Fotos oben).

 

Doch die Feinheiten erkennt man erst unterm Mikroskop:

 

Der silberne Streifen ist der Draht auf dem letzten Bild.

Das Mikrowürmchen erkennt man als "kleine Schlange" unterhalb.

 

Vielen Dank an Thomas Klappich für die Aufnahmen


Häufig gestellte Fragen


Frage Antwort
 Meine Würmchen klettern nicht. Woran kann das liegen?

- zu viele Luftlöcher / Luftzirkulation im Ansatz

- Kultur steht zu kalt

- Kultur läuft noch nicht richtig

- Kulturgefäß ungeeignet

Meine Kultur läuft nicht richtig an, was kann ich machen?

- eine Prise Trockenhefe reingeben

- kontrollieren, ob sich evtl. Wasser auf dem Brei abgesetzt hat. 

Dann umrühren ggfs. andicken

- Wärmer stellen

Ist es schlimm, wenn etwas von dem Brei mit ins Becken geraten ist? Wenn es sich um ein eingefahrenes Becken handelt oder es keine empfindlichen Jungfische sind, dann nicht.